Die 10 000 Jahre alte Quitte

Woher kommt die Quitte eigentlich?
Die echte Quitte trägt den botanischen Namen Cydonia oblonga und gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Damit ist sie mit unseren Äpfeln, Birnen und anderen heimischen Obstgehölzen verwandt.
Ihre ursprüngliche Heimat liegt im Gebiet des südlichen Kaukasus und in den angrenzenden Regionen Westasiens. Dazu gehören unter anderem das heutige Armenien, Aserbaidschan und der Iran.
Von dort aus verbreitete sich die Quitte über Jahrtausende in Richtung Osten bis nach China und in Richtung Westen bis in den Mittelmeerraum.
Bereits vor mehreren tausend Jahren wurde sie im Kaukasus kultiviert. Die alten Griechen kannten und schätzten die Frucht spätestens im 7. Jahrhundert vor Christus. Sie nannten sie unter anderem "mala cydonia", was so viel wie "Apfel aus Kydon" bedeutet. Kydon war eine antike Stadt auf Kreta.
Auch bei den Griechen hatte die Quitte eine besondere symbolische Bedeutung. Sie galt als Frucht der Liebe, Fruchtbarkeit und Ehe und wurde teilweise bei Hochzeiten verschenkt.
Die Quitte ist streng genommen keine ursprünglich heimische Wildpflanze in Deutschland. Sie ist eine alte Kulturpflanze, die sich bei uns über die Jahrhunderte etabliert hat.
Vermutlich gelangte sie bereits mit den Römern nach Mitteleuropa. Einen besonders interessanten historischen Beleg finden wir allerdings unter Karl dem Großen.
In seiner Landgüterverordnung, dem sogenannten Capitulare de villis, wurde die Quitte im Jahr 812 als eine der Pflanzen aufgeführt, die auf den kaiserlichen Gütern angebaut werden sollten.
Das bedeutet: Spätestens zu Beginn des 9. Jahrhunderts war die Quitte nördlich der Alpen bekannt und wurde gezielt kultiviert.

Was steckt drin?
Besonders interessant sind die enthaltenen Pektine.
Pektine gehören zu den löslichen Ballaststoffen. Sie können Wasser binden und bilden im Darm eine gelartige Substanz. Dadurch können sie die Verdauung unterstützen und tragen zu einer normalen Darmfunktion bei.
Die Polyphenole wiederum gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen. Sie können freie Radikale abfangen und besitzen in Laboruntersuchungen antioxidative Eigenschaften.
Auch die Gerbstoffe sind erwähnenswert. Sie verleihen der rohen Quitte ihren herben, zusammenziehenden Geschmack.
In der traditionellen Pflanzenheilkunde wurden Quittenzubereitungen deshalb unter anderem bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt.
Wichtig ist allerdings: Viele der untersuchten Wirkungen stammen aus Labor- und Tierstudien. Daraus lässt sich nicht automatisch eine therapeutische Wirkung beim Menschen ableiten. Die Quitte ist ein wertvolles Lebensmittel, aber kein Ersatz für eine medizinische Behandlung.
- Pektine
- Polyphenole
- Gerbstoffe
- Vitamin C
- Kalium
Carotinoide
Lösliche Ballaststoffe, unterstützen die Verdauung
Pflanzliche Antioxidantien
Wirken adstringierend, also zusammenziehend
Trägt zu einer normalen Immunfunktion bei
Wichtig für Nerven, Muskeln und Blutdruckregulation
Pflanzenfarbstoffe mit antioxidativen Eigenschaften
Die Kerne der Quitte
Ich wurde bei einem Vortrag auf die Kerne der Quitte aufmerksam gemacht.
Die Kerne der Quitte sind nämlich besonders interessant, weil sie Schleimstoffe enthalten.
Sie enthalten Schleimstoffe und wenn man sie mit Wasser in Kontakt bringt, quellen diese Schleimstoffe auf. Es entsteht ein leicht gelartiger, durchsichtiger Schleim.
Dieser wird in der Pflanzenheilkunde als Quittenschleim oder unter dem historischen Namen Mucilago Cydoniae bezeichnet.
Früher war dieser Schleim sogar als pharmazeutischer Rohstoff bekannt. In Apotheken wurden daraus Salben und andere Zubereitungen hergestellt.
Die Schleimstoffe bilden auf der Haut einen feinen Film, der Feuchtigkeit bindet und die Haut vor dem Austrocknen schützen kann.
Traditionell wurde Quittenschleim deshalb bei folgenden Beschwerden verwendet:
- Trockener und rissiger Haut (Um die Augen sehr effektiv)
- Gereizten Hautstellen
- Spannungsgefühl der Haut
- Trockenen Lippen
- Oberflächlichen Hautreizungen

Wie bekommt man die Kerne am besten aus der Quitte?
Am besten sammelst du die Kerne direkt beim Verarbeiten der Früchte.
- Wasche die Quitte gründlich und reibe den wolligen Belag von der Schale.
- Schneide die Frucht mit einem stabilen Messer in Viertel.
- Entferne das Kerngehäuse mit einem kleinen Messer.
- Löse die braunen Kerne vorsichtig aus dem Kerngehäuse.
- Lege sie zum Trocknen auf ein sauberes Tuch oder Küchenpapier.
Die Kerne sollten möglichst unbeschädigt bleiben.
Wichtiger Sicherheitshinweis: Quittenkerne enthalten cyanogene Glykoside, darunter Amygdalin. Werden sie zerbissen, zerstoßen oder gemahlen, kann Blausäure freigesetzt werden. Deshalb die Kerne niemals zerkleinern, kauen oder als gemahlenes Pulver verwenden. Für die äußerliche Anwendung werden sie ganz angesetzt und anschließend wieder entfernt.

Quittengel selber machen
Du brauchst:
- 1 Teelöffel ganze Quittenkerne
- 50 ml abgekochtes, abgekühltes Wasser
- Ein sauberes Schraubglas
- Ein feines Sieb oder einen sauberen Filter
Zubereitung:
- Gib die ganzen Quittenkerne in ein sauberes Glas.
- Übergieße sie mit dem Wasser.
- Lass die Mischung etwa 30–60 Minuten stehen.
- Rühre gelegentlich vorsichtig um.
- Sobald sich eine schleimige, gelartige Flüssigkeit gebildet hat, gieße sie durch ein feines Sieb.
- Entferne sämtliche Kerne.
Du erhältst nun einen natürlichen Pflanzenschleim, der sich dünn auf die Haut auftragen lässt.
Anwendung:
Trage eine kleine Menge auf die gereinigte Gesichtshaut auf. Lass das Gel einige Minuten einwirken und verwende anschließend deine gewohnte Gesichtscreme.
Der Schleim bildet einen leichten Film und kann dazu beitragen, dass sich die Haut geschmeidiger anfühlt.


